Warum Wirtschaftswachstum wichtig ist

Viele Politiker und Ökonomen freuen sich wenn die Wirtschaft wächst, für einige Kritiker jedoch geht Wirtschaftswachstum nur mit einer noch größeren Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung einher. Für sie ist der angebliche Wahn nach noch mehr Wachstum das eigentliche Übel der Wirtschaftskrise und sie fordern eine Wirtschaftsordnung, die nicht unter dem Joch von Wachstumszielen ächzt. Wieso ist Wirtschaftswachstum dennoch wichtig?

Hauptsächlich, weil Wirtschaftswachstum mehr Jobs und ein höheres Einkommen für alle verspricht.
Es sichert zudem bestehende Jobs. Kann ein Unternehmer, z.B. durch eine technische Innovation, seine Produktion effizienter gestalten, hat er grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Zum Einen kann er die gleiche Menge mit wenigeren Arbeitskräften produzieren oder er produziert eine größere Menge mit der gleichen Anzahl der Arbeitskräfte. Somit entsteht Wachstum, eine Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktion. Diesen einfachen Zusammenhang haben schon die Ludditen im 19. Jahrhundert nicht verstanden, als sie Maschinen zur Produktion von Textilien zerstörten.
Um den Lebensstandard pro Kopf aufrecht zu erhalten, muss bei einer wachsenden Bevölkerung nun eben auch die Wirtschaft wachsen. Bei einer relativ konstant bleibenden Bevölkerung, wie z.B. in Deutschland, schafft Wachstum neue Jobs für die 2,9 Millionen arbeitslosen in Deutschland.

Dazu kommt, dass eine florierende Wirtschaft Geld in die leeren Kassen des Staats spült (siehe auch dazu weiter unten. D. Acemoglu).

Wirtschaftswachstum hat in den Industrienationen seit dem 19. Jahrhundert zu einem unvorstellbarem Wohlstand geführt. Deshalb ist Wachstum auch die einzige Antwort auf die Frage, wie Entwicklungsländer aufholen können. Wachstumskritiker vergessen das gerne. Natürlich gibt es viele (neue) Probleme in der westlichen Welt, vor allem soziale Ungleichheiten. In der Ökonomie muss es jedoch immer das Ziel sein, effizient zu wirtschaften, d.h. der gesamtwirtschaftliche Kuchen sollte so groß wie möglich sein. Wie dieser Kuchen jedoch am Schluss aufgeteilt wird, ist eine andere wichtige Frage.

Sicher ist nur, dass Stagnation Rückschritt bedeutet.

Econ4you ist zurück

Nachdem im Jahr 2009 der Blog zum ersten Mal gestartet wurde, musste ich ihn nach kurzer Zeit aus Zeitmangel wieder aufgeben.
Jetzt, zwei Jahre später, starte ich neu mit dem Versuch Ökonomie und das aktuelle Weltgeschehen auf den Wirtschafts- und Finanzmärkten verständlich zu erklären. Viel Spass beim Lesen.

Das Bruttoinlandsprodukt

Immer wieder liest man in Zeitungen Sätze wie: „Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ist im letzten Quartal gestiegen“ oder „Das BIP pro Kopf in den USA ist mehr als doppelt so hoch wie in einigen weniger entwickelten Ländern“.

Deshalb lohnt es sich einmal genauer auf das BIP zu schauen.

Das Bruttoinlandsproduk ist definiert als alle Waren und Dienstleistungen für den Endverbrauch, die innerhalb eines Jahres in einem Land produziert werden. Es kann auf drei Arten berechnet werden:

1) Die Verwendungsrechnung berechnet das BIP als Summe aller nachgefragten Waren und Dienstleistungen.

2) Die Entstehungsrechnung berechnet das BIP als Summe der Wertschöpfung in den einzelnen Sektoren und

3) Die Verteilungsrechnung berechnet das BIP als Summe aus Arbeits- und Kapitaleinkommen.

Zu unterscheiden ist weiterhin zwischen nominalen BIP (BIP zu aktuellen Preisen) und realem BIP (BIP zu Preisen eines Basisjahres). Offensichtlich spiegelt nur ein Anstieg des realen BIPs auch einen Outputanstieg wieder.

Soweit, so gut. Problematisch ist allerdings die Verwendung des BIP als Maß für den Lebensstandard eines Landes. Dabei wird häufig das BIP pro Kopf, also BIP geteilt durch Bevölkerungsanzahl, verwendet. Hierbeit werden jedoch einige wichtige Aspekte nicht berücksichtigt. Ins BIP fliessen nämlich nur Markttransaktionen, Schwarzarbeit nicht. Zudem werden auch Ausgaben, derden Beitrag zum Wohlstand fraglich ist, wie Müllentsorgung oder Endlagerung von Atommüll hinzugerechnet.  Ausserdem fehlt die Miteinbeziehung von Gesundheit, Freizeit, Arbeitsstandards und vieles mehr.

Aus diesem Grund mehren sich die Stimmen, die einen neuen internationalen Index zur Wohlstandsberechnung fordern und Frankreichs Präsident Sarkozy lässt derzeit einen Entwurf eines solchen Index ausarbeiten.

Dennoch: einen perrfekten Index, der alle Lebensumstände misst, wird es wohl nicht geben. Um ein detailliertes Bild des Wohlstandes eines Landes zu bekommen, genügt ein kurzer Blick auf das BIP pro Kopf leider nicht.

 

Nobelpreis geht an Ostrom und Williamson

Während Greg Mankiw sich in seinem Blog nachträglich über die Vergabe des Nobelpreises an Obama lustig macht , wurde der richtige Nobelpreis an Elinor Ostrom und Oliver Williamson vergeben. Damit gewinnt zum ersten Mal eine Frau den Preis der Reichsbank in Gedenken an Nobel.

Ostrom hat unter anderem untersucht, wie Allmendegüter (die rivalisierend aber nicht ausschließbar sind) nachhaltig genutzt werden können. Bei solchen Gütern, wie z.B. Gemeindewiesen, Fischgründe etc. besteht die Gefahr der Ausbeutung. Ihre Forschungen sind im Bereich New Institutional Economics anzusiedeln. Ebenfalls wie die Arbeit des Ökonomen Williamson. Er untersuchte die Frage, warum manche Geschäfte innerhalb von Unternehmen abgeschlossen werden und nicht auf dem Markt.

Wie Mindestlöhne wirken

Spätestens nachdem Großbritannien 1999 einen flächendeckenden Mindestlohn einführte, sind Mindestlöhne auch in Deutschland Teil der politischen Diskussion und verschiedener Wahlkämpfe.
Doch wie wirken Mindestlöhne eigentlich?
Schauen wir uns zunächst einmal den Arbeitsmarkt an. Arbeitswillige und -fähige Menschen bieten ihre Arbeit auf dem Markt an (Supply S) und Unternehmen fragen Arbeit nach (Demand D). Es bildet sich somit wie auf jedem Markt ein Marktpreis, nämlich der Lohn, sodass Angebot und Nachfrage übereinstimmen. Alle, die zum Marktlohn arbeiten wollen, bekommen Arbeit. Diejenigen, deren Reservationslohn überhalb des Martklohns liegt, arbeiten nicht.
Wird jetzt ein Mindestlohn eingefügt, so muss man zwei Fälle unterscheiden:
1) Mindestlohn unterhalb des Marktlohnsatzes
Niedriger_Mindestlohn
Liegt der Mindestlohn unterhalb des Marktlohnsatzes so passiert gar nichts. Der Mindestlohn hat keine Auswirkungen auf das Marktgleichgewicht.

2) Mindestlohn überhalb des Marktlohnsatzes

230px-Hoher_Mindestlohn
Liegt der Mindestlohn überhalb des Marktlohnsatzes, so wird mehr Arbeit angeboten, als nachgefragt wird. Absolut wird weniger nachgefragt, als ohne Mindestlohn. Die Gleichgewichtsmenge verschiebt sich von Lgg zu L1.  Es entsteht Arbeitslosigkeit.

So viel zur Theorie. Spannender ist die Frage, auf welchen Arbeitsmärkten ein Mindestlohn überhaupt seine Wirkung entfaltet:  Vor allem auf den Märkten  für unqualifizierte Arbeitnehmer und Jugendliche, deren Löhne relativ niedrig sind, würde ein flächendeckender Mindestlohn zu unfreiwilliger Arbeitslosigkeit führen.

Mehrere Studien zeigen, dass ein sehr niedriger Mindestlohn, von dem weniger als 5 % der Arbeitnehmer betroffen ist, positive Effekte haben kann. Ist jedoch ein größerer Teil betroffen, wie zum Beispiel in Frankreich, zeigen sich stark negative Beschäftigungseffekte vor allem bei Frauen und Jugendlichen.

Viele Grüße,

Jo

Kostenloses VWL Lehrbuch

Heute morgen bin ich auf ein VWL-Lehrbuch gestoßen, das es kostenlos zum downloaden gibt.
Es ist auf englisch und erscheint mir nach dem ersten Überfliegen ganz vernünftig speziell für alle, die eine Einführung in die VWL suchen. Der Autor R. Preston McAfee hat es für seine Studenten geschrieben, denn er ist der Meinung, dass diese sowieso schon für ihr Studium genügend Geld ausgeben müssen. Zu finden ist es hier: http://www.introecon.com/

Steuersenkungen und die Laffer Kurve

Beginnen wir doch einmal mit einem derzeit heiss diskutierten Thema: Steuersenkungen.

Wie bekannt ist, möchte die neue gewählte Regierung in einem noch nicht bekannten Umfang Steuern senken. Durch Steuersenkungen, insbesondere der Bekämpfung der kalten Progression, soll Wachstum befördert werden.

Abgesehen von der Frage, ob sich Deutschland Steuersenkungen derzeit leisten kann ist aus ökonomischer Sicht interessant, ob sich Steuersenkungen denn selbst finanzieren und sogar zu Mehreinnahmen des Staates führen.

Der US-amerikanische Ökonom Arthur B. Laffer (*14.8.1940) entwickelte 1974 einen Zusammenhang zwischen Steuersatz und Steuereinnahmen, die sogenannte Laffer-Kurve. Demnach beginnt der Staat bei Steuereinnahmen von Null, und kann durch Erhöhung des Steuersatzes seine Staatseinnahmen bis zum Scheitelpunkt der Kurve maximieren. Höhere Steuersätze führen dann zu keinen weiteren Steuereinnahmen.

Laffer Kurve

Am Beispiel der Lohnsteuer sei das erklärt: Bei einer Steuererhöhung gehen Personen vom Arbeitsmarkt, für die es sich nach der Steuererhöhung nicht mehr lohnt zu arbeiten. Können jetzt die Mehreinnahmen durch die erhöhte Steuer diesen Wegfall an Steuerzahlern nicht kompensieren, sinken bei einer Steuererhöhung die Staatseinnahmen. Die Frage ist, wo befindet sich Deutschland aktuell? Die Studie “How Far Are We From The Slippery Slope? The Laffer Curve Revisited“ von Mathias Trabandt und Heinrich Uhlig untersuchte das und kam zu dem Ergebnis, dass Deutschland noch links vom Scheitelpunkt ist. Das heisst, eine Steuererhöhung würde zu höheren Steuereinnahmen führen. Eine Steuersenkung der Lohnsteuer würde sich dennoch um 50 % refinanzieren, die Kapitalsteuer demnach um 70 %.  Die alte Weisheit, die auch Theo Waigel vertrat, daß “der Staat von einem Euro Steuersenkungen am Ende rund 30 Cent zurück“ bekommt, stimmt somit nicht. Er bekäme gar 50 Cent zurück.

Ob man nun die Steuern senken sollte oder nicht, sei dahingestellt.

Viele Grüße,

Jo

Willkommen!

Willkommen,

als VWL-Student lernt man oft nur theoretische, meist trockene, Modelle. Für die Frage nach der Andwendbarkeit und der praktischen Relevanz der Theorie bleibt meist keine Zeit.  Ich möchte hier aktuelle Themen zu Wirtschaft und Politik, aber auch theoretische Modelle  diskutieren und wenn möglich die Theorie auf die Praxis anwenden. Alles was mich interessiert, ob in der Tageszeitung oder im Studium werde ich posten :) .  Dabei werde ich versuchen nicht zu politisieren. Der Blog richtet sich somit an alle, die sich für Ökonomie interessieren!

Und vielleicht ergibt sich auch eine kleine Stoffsammlung für Studenten.

Genug vorneweg, ich freue mich jedenfalls wenn ihr meine Beiträge lest und eure Anmerkungen und Kommentare schreibt und so eine spannende Diskussion zustande kommt.

Bis dahin viele Grüße,

Jo